REISEKULTOUREN
Samstag, 4. Februar 2012
Reiseberichte, Lob, Kritik und viele Anregungen, die unsere Gäste von ihren Touren mitgebracht haben.
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(Matthias Claudius)

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Leben von der allerfeinsten Art auf Islay

23.Juni 2010

von Jutta Dillenberger

Washback bei Bowmore (Foto © Udo Haafke)

Die ersten Gedanken an einen Urlaub in Schottland kamen uns im Umfeld eines Whiskey-Tastings. Sie nahmen auf der Whiskey-Messe in Rüsselsheim Gestalt an, und so war der Hauptpunkt dieses Urlaubes Destillerien in Islay.

 

Mit der KLM über Amsterdam erreichten wir kurz vor Mittag Glasgow, wurden von einem Mietwagen-Unternehmen am Airport abgeholt und zu unserem Auto gebracht. Thema Auto ist in Schottland ein sehr schwieriges, denn erstens sind dort alle Autos falschrum gebaut und zweitens fährt man auch noch auf der falschen Seite. So ereilte uns direkt nach Verlassen des Parkplatzes auch schon der erste falschrumene Kreisel. Derer gab es noch viele (sogar mehrspurige) auf unserem Weg nach Kennecraig, wo wir auf die Fähre nach Islay gebucht waren, die am späten Nachmittag ablegen sollte. Glaubt man nun, dass man früh genug in Kennecraig ankommt, Auto an der Fähre abstellt und sich noch ein bisschen die Füße im Örtchen vertritt, hat man falsch geplant. Kennecraig ist kein Örtchen, sondern einzig und alleine der Ablegeplatz der Fähre mitten im Nirgendwo. So saßen wir zwei Stunden lang im Auto und fragten uns wie groß das Boot wohl sein möge, da mittlerweile der Fuhrpark einer Kleinstadt am Anleger anstand. Eine halbe Stunde vor geplanter Abfahrt drehte die Fähre Richtung Kennecraig ein. Unglaublich was aus ihrem Bauch alles herauskam. Obwohl Lastwagen mit Hänger da rausgekommen waren erschien uns das Loch in das wir mit dem falschherumenen Auto reinfahren sollten doch recht klein. Jetzt war uns auch klar warum man eine Vorreservierung für diese Fähre braucht. Kein Kinderwagen wäre mehr in das Ladedeck hineingegangen. Hat man nicht reserviert, bleibt man draußen.

 

Zweieinhalb Stunden Fahrt in die Dämmerung hinein brachten uns an diversen Eilanden vorbei nach Port Ellen auf Islay. Jetzt mussten wir noch nach Bowmore fahren um uns dort in einem Pub mit den anderen fünf Teilnehmern unserer Whiskey-Tour zu treffen. Wider Erwarten war der Pub und unsere Reiseleiterin Christine schnell gefunden. Nach einem kurzen Umtrunk machten wir uns auf den Weg zum Guesthouse. Dort erwartete man schon mit einer freundlichen Begrüßung. Als sie uns das Zimmer zeigte fiel das ganze Elend des Tages inklusive in der Nacht um drei Uhr aufstehen von uns ab.

 

Am nächsten Morgen ging es früh los zur ersten Destillerie, Lagavulin. Es gibt niemals eine zweite Chance für einen ersten Eindruck. So prägten natürlich die Bilder dieser Destillerie ganz besonders. Nach der Besichtigung ging's zum Tasting ins Warehouse. Man stelle sich einen kleinen kompakten quirligen italienischen Eisverkäufer vor, der aber Schotte und Angestellter der Destillerie ist, dann hat man genau das Bild von Ian vor sich, der uns durch das Tasting führte. Sechs verschiedene Whiskeys in nicht allzu knapp bemessener Menge standen uns bevor und das morgens um zehn Uhr. Da ich vorhatte auch den Rest des Tages noch irgendwie wachen Geistes zu erleben, tranken wir unsere Wasserflasche leer, probierten von jedem Whiskey nur ein paar Tropfen und schütteten den Restinhalt unserer Gläser in diese Flasche. So erhielten wir etwa 0,4 Liter des wahrscheinlich besten Lagavulin-Blends, der je gemixt wurde. Für den Rest des Urlaubes war somit jeden Abend ein Gute-Nacht-Absacker gesichert.

 

An diesem Tag standen noch Ardbeg und Laphroaig auf dem Programm, die Destillerien im Süden Islays. Der nächste Tag war den Nord-Destillerien gewidmet, Coal Ila, Kilchoman und Bruichladdich. Man sieht im Prinzip in jeder Destillerie das Gleiche und doch gibt es in jeder wieder etwas Neues zu entdecken. Zwischen den Besuchen gab es Gelegenheit einen kurzen Spaziergang am Meer zu machen, Robben zu beobachten oder einfach nur in der Sonne (und das in Schottland) zu sitzen. Wir aßen am Abend alle zusammen einmal in Bridgend und einmal kochte Margret für uns. Nach den beiden Whiskey-Tagen reisten drei Leute ab. Wir blieben noch ein paar Tage auf Islay. Den "Tag danach" verbrachten wir mit einem ebenfalls dagebliebenen Paar um die Destillerie-Runde zu vervollständigen. Zuerst besuchten wir Bowmore, machten einen Spaziergang in Ardnave, sahen uns Bunnahabhain von außen an, weil zu und besuchten noch Finlaggan.

 

Ab dem nächsten Tag zogen wir alleine los um verschiedene Crosses zu sehen, Kildalton Cross, Kilchoman Cross und Kilnave Cross, standing stones zu suchen und auf den Spuren von Octomore zu wandeln. (Dies ist eine ander Geschicht. Wen's interessiert, der möge mich fragen. War ein Orientierungslauf und Schnizzeljagd für Erwachsene.)

 

Unsere Tage auf Islay gingen zu Ende. Wir hatten eine schöne Zeit mit meist gutem Wetter in einer superschönen Unterkunft bei Margret, die immer freundlich und hilfsbereit war wie übrigens alle Schotten, die wir kennengelernt haben.

Unser Weg führte weiter nach Skye. Die Fahrt dorthin war weit und stressig, da der Tag neblig und wolkenverhangen war mit immer wieder mal Pißwetter. Wenn man da nicht schon sowiese schlecht drauf ist, an einem solchen Tag wird man es. Nach Skye brauchten wir keine Fähre, denn es gibt eine Brücke. Am späten Nachmittag erreichten wir Portree. Am Ortseingang gegenüber der Tankstelle links reinfahren, wurde uns geschrieben in der Wegbeschreibung. So folgten wir dem Schild die Auffahrt hinauf. Nee, das kann`s nicht sein, war mein erster Gedanke als wir die Zinnen des Turmes durch die Bäume lugen sahen. Wir stellten das Auto vor der kleinen Burg ab und waren bei Betreten des Hauses noch fester davon überzeugt, dass wir hier ganz sicher falsch sind. Doch schon kam uns jemand entgegen, der uns mit Namen ansprach. Zu schön um wahr zu sein. Und es kam noch besser als wir zu unserem Zimmer geführt wurden. Die Plagen des Tages waren verflogen. Ein riesengroßes Zimmer mit separatem Bad, Blick auf die Bucht von Portree, überall alte Möbel, ausgestopfte Tiere und das in einem alten Herrenhaus, das ich gerne mein Eigen nennen würde. Wenn`s hier nicht spukt, wo dann.

 

Unsere Tage in Skye verbrachten wir mit Wanderungen in allen Teilen der Insel und Burgbesuchen, Dunvegan im Norden und Eilean Donnan im Süden. Der Tag begrüßte uns mit herrlichem Sonnenschein, der uns bis zum Ende erhalten blieb. Es war nicht besonders warm, 12-15°C, und windig. Trotzdem scheint man bei diesem Wetter dort Sommer befohlen zu haben, denn selbst kleine Kinder liefen bei diesen Temperaturen in kurzen Ärmeln und kurzen Hosen herum. Da kam ich mir mit meinen Fleece-Shirt und Windjacke drüber echt pienzig vor. In Portree gibt es einige Kneipen und natürlich der angesagte Pub, in dem man auch gut essen kann, wenn man einen Platz bekommt. Die Landschaft ist besonders schön. In den Black und Red Cullins gibt es viele Wanderwege mit herrlichen Aussichten auf die umliegenden Inseln. Hätte unsere Erde keine Bauch, hätten wir bis nach Amerika sehen können. Für Mutige gibt es Wege mit leichten Kletterpartien in den Cullins, die nach steinigen Aufstiegen mit herrlichen Fernsichten belohnen. Auch hier ist allgegenwärtig der sumpfige Boden. Selbst oben auf den Hochwiesen in 700 m Höhe sollte man seine Füße mit Bedacht setzen um nicht bis zum Knöchel im Wasser zu stehen.

 

Unsere Abreise war ein wenig überschattet von den Geschehnissen um den Vulkan in Irland. Zeitweise war Glasgow-Airport ganz zu, an manchen Tagen nur für ein paar Stunden offen. Vor unserer Abreise aus Portree fragten wir in Glasgow nach und erhielten die Auskunft, dass alles wieder offen sei. So fuhren wir in einer Tagesetappe in den Süden des Loch Lomond. Natürlich machten wir unterwegs einen Abstecher zum Loch Ness. Nessie ließ sich nicht blicken. Hätte ich auch nicht gemacht, denn wie auf der Hinfahrt hatten wir wieder Pißwetter. Unser letztes Hotel hat etwas Majestätisches. Direkt am See gelegen mit Golfplatz davor kann es allerdings trotz all seines prunkvollen Auftretens nicht mit Kilmeny oder Viewfield House mithalten.

 

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, besuchten noch Doune Castle und Stirling Castle, um dann den nervtötenden Rückweg über die kilometerlange Autobahnbaustelle nach Glasgow anzutreten. Und das alles auf der falschen Seite. Autovermietung finden und Auto abgeben verlief völlig problemlos.

 

Wir hatten einen tollen Urlaub mit super Unterkünften in herrlicher Landschaft. Schottland sollte man gesehen haben mit seinen alten Herrenhäusern, Burgen und überall Seen. Wenn dann auch noch das Wetter mitspielt gibt es genug Gelegenheit sich in den Wanderschuhen auszutoben.

 

Historische Plätze wie Finlaggan auf Islay mögen zwar geschichtlich von sehr großer Bedeutung sein, möchte man allerdings die für dort typischen keltischen Kreuze sehen, sollte man Kildalten Cross ansehen, das nicht umzäunt in einem Gebiet steht, wo man Eintritt bezahlen muss, sondern man fährt zu einem Friedhof irgendwo mitten in der Landschaft, und da steht es mit noch vielen anderen wunderschönen Grabplatten und flechtenbewachsenen Steinskulpturen. Auch lohnt ein Besuch auf dem Friedhof der MacLeods auf Skye. Es sind keinesfalls irgendwelche schon vor ganz langer Zeit gestorbenen Highlander-Menschen. Die MacLeods sind ein Clan, der schon sehr lange existiert bis in die heutige Zeit. Der 29. Chief der MacLeods starb im Februar 2007. Heute regiert der 30. Chief.

Ebenso lohnt es sich die Parks zu besuchen, die sich an Dunvegan Castle auf Skye oder Barloch Castle am Loch Lomond anschließen. Uralte Sequoias, tropische Palmen und die größten Rhododendren, die ich jemals gesehen habe stehen dort. Im Mai blüht der Rhododendron; Meere von Blütenbällen überziehen die meterhohen Büsche.

 

Das Autofahren ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, auch für den Beifahrer. Nördlich von Glasgow gibt es keine Autobahn mehr. Die Landstraßen erfordern teil gutes Fahrgeschick und sind sehr zeitraubend. Die kleinen Verbindungsstraßen auf den Inseln, die ein Passieren des Gegenverkehres nur in "Parkbuchten" zulassen, provozieren oft ein "Augen zu und durch". Schottland ist teuer, was einem tagtäglich beim Essengehen oder Tanken gezeigt wird.

 

Trotzdem war dieser Urlaub ein ganz besonders schöner. Sucht man viel Landschaft mit wenig Menschen ist man hier richtig. Überall laufen Schafe und Kühe mit ihren Jungen herum ebenso wie die strubbeligen Highland-Rinder (Galloways). Gute Wanderschuhe sind notwendig wegen unwegsamem Gelände und gegen ständig nasse Füße. Englische Sprachkenntnisse sind erforderlich, da uns nicht ein einziges Mal irgendeiner in deutsch Auskunft gegeben hat. Ob man nicht kann oder nicht will weiß ich nicht. Fragen ist immer gut. Man bekommt bereitwillig Auskunft und Hilfe. Alle Schilder sind auch in gälisch beschriftet. Für Menschen, die bereits klingonisch sprechen mag das aussprechbar sein. Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht mit katzenartig fauchenden ch-Lauten "gesprochen wie gesehen" zu üben. Man sollte auch den Donnerstagabend in Kilmeny bei Margret nicht verpassen, wenn sie für ihre Gäste kocht. Ein besseres mehrgängiges Menue in einer stilvolleren Umgebung ist schwer zu finden.

 

Wir erinnern uns gerne an jeden einzelnen Tag dieses Urlaubes, denn "learn to live before you die", diese Tage waren Leben von der allerfeinsten Art.

 

 

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Jutta Dillenberger hat sich auf unserer Reise Welt-Whisky-Insel Islay mit dem "Schottland-Virus" infiziert. Wir hatten das Programm um eine individuelle Wanderreise auf Skye verlängert.


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