Impressionen vom KulturStadtSpaziergang Lissabon

Eine Verbeugung vor den Portugiesen und ihrem wunderschönen Land

Reisebericht

Nachdem wir schon im letzten Frühherbst eine hervorragend organisierte, ausgezeichnet betreute und aus unserer Sicht absolut reibungslose Rundreise durch Portugal mit Reisekultouren hinter uns hatten und obwohl eine der Teilnehmerinnen, die diesmal dabei war, durch ihr Studium schon reichlich Portugalerfahrung hat, entschlossen wir uns, auch für unseren "halbprivaten" Aufenthalt in Lissabon im April 2016 das Organisationstalent von Frau Dr. Bornemeier von Reisekultouren in Anspruch zu nehmen. Das hatte sehr unterschiedliche Gründe: Erstens hatte ich, die Unterzeichnerin, mich bei meinem ersten Aufenthalt in Portugal, der og. Rundreise, in dieses Land, seine Kultur, seine Menschen, die Lebensweise dort - einfach in alles - verliebt. Zweitens war uns die Zeit, die wir in Lissabon und der näheren Umgebung der Hauptstadt verbringen konnten, viel zu kurz. Wir wollten uns intensiver auf Grândola Vila Morena einlassen. Wenn man beruflich sehr beschäftigt ist und von zuhause aus wenig Zeit hat, um eine Reise zu organisieren, die einer ersten, äußerst positiven Erfahrung in nichts nachstehen soll, ist es immer gut, einen kreativen, zuverlässigen Partner an der Seite zu haben, der einem Ideen eingibt, sie verfeinert, bei Buchungen unterstützt etc. Wir interessierten uns also für das Angebot "Spaziergang Lissabon" von Reisekultouren. Sogar die Hürde, dass zwei von den drei diesmaligen Teilnehmern in Lissabon schon einiges gesehen hatten und der dritte Teilnehmer gewissermaßen noch Lissabon-Novize war, war relativ schnell übersprungen. Reisekultouren legte uns eine Planung vor, die a l l e n drei Teilnehmern mehr als gerecht wurde und trotzdem noch Spielraum für spontane Umplanungen ließ.

Die organisierte Abholung der Teilnehmer vom Flughafen in Lissabon funktionierte zuverlässig und reibungslos. Das Ankommen in der neuen Pousada de Lisboa (zentral in Lissabon am Tejo gelegen) war dann das erste Wow-Erlebnis. Mit Pousadas hatten wir schon während der Portugalrundreise im Herbst reichlich Bekanntschaft gemacht. Diese waren damals gewissermaßen ein Teil des Programms und ein Kulturerlebnis für sich. Wir dachten, in dieser Hinsicht kann uns nichts mehr wirklich überraschen. Aber damit hatten wir uns reichlich getäuscht. Schon der Empfang durch zwei Angestellte, die uns sehr herzlich begrüßten und uns das ganze Haus zeigten sowie etliches zu seiner Geschichte erklärten, war äußerst herzlich. Diese Beschreibung ist ernst gemeint. Hier handelte es sich nicht um die typische, aufgesetzte, professionelle Freundlichkeit in einem First Class Hotel sondern um von innen heraus kommende Herzlichkeit - und das galt ausnahmslos für jeden der Angestellten. Liebevoll und sachkundig haben die Ausstatter dieser Pousada Bücher, Skulpturen, Möbelstücke, antikes Geschirr etc.  gesammelt und über das ganze Haus verteilt zur Dekoration verwendet. Dennoch fühlte man sich den Gegenständen nah und nicht wie in einem Museum. Die Koffer wurden uns gleich am Eingang abgenommen und auf die Zimmer gebracht. Man wollte uns überhaupt in jeder Hinsicht umsorgen. Die Führung durch das Haus machte uns mit den Örtlichkeiten so vertraut, dass  wir uns sofort zuhause fühlten. Dieses Haus verfügt sogar über ein kleines aber ganz gut ausgestattetes Fitnessstudio, einen Swimmingpool und eine Sauna. Auch dort stehen ständig hilfsbereite Angestellte, die sich um alles kümmern. Die Zimmer waren mit allem ausgestattet, was man in einem solchen Haus erwartet.

Nach dieser Ankunft kamen wir schon mit einem gewissen Hochgefühl am Nachmittag zum verabredeten Zeitpunkt in die Halle, um Sílvia, unsere Guide für die ersten beiden Tage, zu treffen. Zwei von uns kannten sie ja schon vom letzten Herbst. Das Wiedersehen fiel sehr herzlich aus. Der "neue" Teilnehmer hatte "unsere Sílvia" auch gleich ins Herz geschlossen. Es folgte ein entspannter, mehrstündiger Rundgang durch das Zentrum Lissabons, der nicht nur an vielen kulturell interessanten Stellen vorbeiführte. Wie immer, bekamen wir von Sílvia sehr viel Informationen, die man in keinem Reiseführer so findet und die deshalb für uns so unglaublich wertvoll waren. Danke dafür, Sílvia. Und natürlich hatte Sílvia für uns auch reichlich Restauranttipps parat, die wir der Reihe nach testeten. Die Auswahl von Restaurants fürs Abendessen ist in Lissabon gar nicht so einfach, weil es eben sehr viele Lokale gibt und man als "Auswärtiger" ja nicht weiß, wo die wahren Perlen begraben sind. Bekanntermaßen decken sich die Beschreibungen in Restaurantführern des öfteren nicht mit dem, was einen dann tatsächlich erwartet. Dass wir uns auf Sílvia's Tipps verlassen können, hatten wir hingegen schon während der ersten Portugalreise erfahren dürfen. Sie empfahl uns für den ersten Abend das Solar dos Presuntos und reservierte uns dankenswerterweise auch gleich drei Plätze. Das Lokal geht über mehrere Stockwerke, war bis auf den letzten Platz gefüllt - und das nicht zu unrecht. Schon die Begrüßung mit lokalen Spezialitäten, man bietet dort u. a. verschiedene Käse schon zur Vorspeise an, war eine Wohltat für den Gaumen. Das Angenehme war - übrigens nicht nur in diesem Lokal - dass man diese angebotenen Entrées nicht nehmen muss; man bezahlt nur das, was man auch tatsächlich "angefasst" hat. Die Speisekarte war wie ein Spaziergang durch traditionelle portugiesische Küche, aber durchaus offen für Einflüsse von außen.

Am zweiten Tag war großes Programm angesagt: Unser Portugal-Novize hatte bei der Führung durch das Hieronymuskloster Sílvia für sich (wir hatten es bei der ersten Reise schon gesehen), während wir zu zweit das Kutschenmuseum besuchten. Letzteres mag sich vielleicht nichtssagend anhören, aber wir waren uns beide einig, dass sich dieses Museum auf jeden Fall zu sehen lohnt. Man braucht allerdings wirklich reichlich Zeit dafür. Das Museum ist in zwei Gebäuden untergebracht. Das alte Gebäude, das schon für sich ein architektonisches Juwel ist, beherbergt einige besonders ausgesuchte Exponate. Die Mehrheit der Kutschen ist im neuen, großzügigen Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite untergebracht. Die Beschreibungen sind sehr informativ, geschichtlich kann man viel dazulernen - Informationen, die man sich aus Büchern erst mühsam zusammensuchen müsste. Außerdem hatten wir Gelegenheit, den Restauratoren bei der Arbeit an ihrem bis jetzt ältesten Exponat live zuzuschauen. Unser Treffen bei "Pastéis de Belém" hat uns dann für den Rest der Exkursion gestärkt. Diese Pastelaria hat nicht zu Unrecht einen Ruf, der weit über Lissabon hinausgeht. Das Lokal ist so verwinkelt, dass man bei Verabredungen schon aufpassen muss, einander zu treffen, abtauchen in versteckten Ecken ist relativ einfach. Insbesondere für die süßen "Pastéis de Belém" stehen die Leute oft in einer meterlangen Schlange geduldig an und tragen dann mit einem zufriedenen Lächeln ihre Trophäen vom Terrain. Ich habe im Lokal pikante Fleischpastetchen und ein Pastel de Bacalhão getestet. Ich empfehle jedem, der sich in diesem Stadtbereich aufhält, wenigstens einmal in dieser Pastelaria einzukaufen oder dort an einem Tisch Pause zu machen, falls man einen Sitzplatz ergattert. Der Besuch im Fernando Pessoa Haus endete nicht nur in einem angeregten Gespräch mit den Damen vom Museumsladen sondern auch im Kauf mehrerer wunderschön gestalteter Bücher. So werde ich also anfangen, Portugiesisch u. a. anhand des Briefwechsels zwischen Fernando Pessoa und Ofélia Queiroz zu lernen.... Den Abschluss des geführten Spaziergangs am zweiten Tag bildete der Besuch des weltberühmten Cimitério dos Prazeres. Jemand, der noch nie einen portugiesischen Friedhof besucht hat, wird fast erschlagen von so viel Geschichte, Tradition, Größe und andererseits absoluter Ruhe; laute Touristen gibt es dort nicht, sondern nur Ehrfurcht. Die vielen Erläuterungen von Sílvia waren wie immer besser als jeder Reiseführer. Sie zeigte uns etliche Gräber berühmter Portugiesen, wies uns auf versteckte Besonderheiten und Kuriositäten des Friedhofs hin und gab uns auch Zeit, alles in Ruhe aufzunehmen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge mussten wir uns am frühen Nachmittag dann leider von Sílvia verabschieden, aber nicht ohne den festen Vorsatz, einander auf jeden Fall wiederzusehen. Ohne Guide fuhren wir dann mit der berühmten Linie 28 vom Friedhof bis ins Zentrum zurück. Und ganz ungeplant bekamen wir an diesem Abend auch noch Fadobegleitung im - ebenfalls von Sílvia empfohlenen Restaurant Leão d’Ouro. Die Fischauswahl dort ist legendär, das Fleisch butterzart und die Stimmung riesig. Wenn man dann noch in eine Pousada zurückkommt, in der man auch am späten Abend noch genauso offen und freundlich begrüßt wird wie am Vormittag, dann kann man gar nicht anders als entspannt in den Schlaf zu sinken.

Am nächsten Morgen, nach einem wie immer sehr entspannten Frühstück in einem lichten Innenhof des Hotels mit einem Morgenbuffet, das sowohl für Veganer, als auch für Obst- und Müslifreaks, Fleischesser und Freunde von Bratwürstchen reichlich Auswahl bietet, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, sich auch ein Champagnerfrühstück zu genehmigen, trafen wir Maria, unsere Guide für diesen Tag. Wir besuchten mit ihr das Fado- und das Azulejomuseum. Der geneigte Leser kann sich jetzt natürlich fragen, warum wir mit einer Guide durch zwei Museen gingen, die auch reichlich Erklärungen auf Schrifttafeln bieten. Die Antwort ist einfach: Beide Besucher waren mit dieser persönlichen Führung wesentlich gehaltvoller, als sie es ohne Guide jemals hätten sein können. Das lässt sich auch nicht mit Sammelführungen vergleichen, die in den meisten Museen zu festen Zeiten auch angeboten werden. Wir lernten in kurzer Zeit nicht nur sehr viel über die Geschichte des Fado, sondern auch über berühmte Fadosänger(innen). Alles, was wir im Azulejomuseum erklärt bekamen, konnten wir bei unseren privaten Gängen durch historische Gebäude der Stadt sofort in der Praxis anwenden. Das war sicherlich der Tatsache zu verdanken, dass man bei Unternehmungen mit einem privaten Führer, mit dem "die Chemie stimmt" ungleich mehr Fragen stellen kann, als wenn man mit einer Sammelführung geht. Den dritten Abend beschlossen wir im Lokal Sinal Vermelho; auch hier hatten wir nochmals die Hilfe von Sílvia für eine Reservierung in Anspruch nehmen können. Dieses abends offenbar auch absolut ausgebuchte Lokal bietet traditionelle portugiesische Küche in einer anderen Art an, als wir sie in den Lokalen an den beiden Abenden zuvor kennengelernt hatten. Esser, die eine vergleichsweise kleine Magenkapazität haben und ein traditionelles Bacalhãogericht mit Kartoffeln, Eiern und viel Olivenöl genießen wollen, müssen allerdings etwas aufpassen; sie schaffen nicht einmal die Hälfte der Portion.

In den verbleibenden Freizeiten bzw. den vier "freien" Tagen, um deren Buchung wir ausdrücklich gebeten hatten, machten wir nicht nur Azulejo-, Kork-, kulinarische Spezialitäten-, Schmuckgeschäfte, Antiquariate und Cafés (dort fast immer mit einer Pause mit Tinto und Pastel de Bacalhão) unsicher, sondern deckten uns auch noch reichlich mit Kultur ein. Die Auswahl, was nun besucht werden sollte, fiel sehr schwer, weil Lissabon und die nähere Umgebung so angefüllt ist mit interessanten und didaktisch ausgezeichneten Museen und Kulturdenkmälern. Nahezu alle Öffnungszeiten gehen bis 18 Uhr (im Sommer sogar bis 19 Uhr oder länger). Unseren Portugal-Novizen schickten wir z. B. ins Lisboa Story Centre, in dem man die Geschichte Lissabons hautnah und interaktiv in sich aufnehmen kann, inclusive einer "Nachstellung" des verheerenden Erdbebens von 1755. Wer glaubt, dass solche Museen nur etwas für Kinder seien, hat sich gründlich getäuscht. Ich hatte dieses Museum schon beim letzten Lissabonaufenthalt im Herbst gesehen und war ihm zunächst auch etwas skeptisch gegenüber gestanden, eine Meinung, die ich jedoch nach seinem Besuch komplett revidieren musste. Die beiden "Lissabonveteraninnen" haben sich in der Zwischenzeit das nahegelegene Biermuseum und das Designmuseum vorgenommen. Die Begrüßung im Biermuseum war durchaus ungewöhnlich. Mit dem Bezahlen des Eintritts bekam man einen nach altem Vorbild gestalteten Tonbecher mit einer Bierprobe in die Hand. Dermaßen "bewaffnet" konnten wir uns dann an die Besichtigung des kleinen Museums machen, das die Geschichte der portugiesischen Bierbrauerei auch für Touristen aus Bayern sehr informativ aufbereitete. Beim Gang durch das Designmuseum, das hinter dem Arco Monumental da Rua Augusta liegt, fühlten wir uns zunächst etwas fremd. Man hatte uns zuerst in die oberen Stockwerke geschickt, in denen temporäre Sonderausstellungen waren, zu denen wir nicht so recht den Zugang fanden. Das war aber beim Gang durch das Erdgeschoss schnell vergessen. Dort sahen wir eine Ansammlung bekannter und mitunter auch kurioser Designobjekte aus nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens (von Bleistiften über Kleidungsstücke, Taschen, Möbel, Vasen, Geschirr etc). Den krönenden Abschluss dieses Besichtigungstages bildete ein Blick von "oben": Wir fuhren mit dem Aufzug zum Plateau des Arco Monumental da Rua Augusta hinauf und konnten in die untergehende Sonne schauen; das Plateau ist bis 19 Uhr geöffnet.

Da uns jetzt Sílvia für Restauranttipps nicht mehr zur Verfügung stand, baten wir an der Rezeption der Pousada um Empfehlungen von Lokalen mit guter portugiesischer Küche. Dabei kamen wir in den Genuss von drei verschiedenen Empfehlungen, die allesamt absolut wiederholenswert sind. Jeder der kontaktierten Rezeptionisten verriet uns jeweils seinen persönlichen Favoriten und erledigte auch gleich noch die Reservierung. Das ist übrigens unbedingt zu empfehlen, denn die guten Lokale in der Stadt sind ab den üblichen Essenszeiten offenbar immer randvoll. Alle drei getesteten Lokale bleiben uns in bester Erinnerung: Nicht nur die Küche und das Weinangebot waren ausgezeichnet; auch Sonderwünsche, wie die Frage nach veganem Essen etc. wurden zufriedengestellt. Als wir z. B. das Lisboa à Noite verließen, war klar, dass wir beim nächsten Lissabonaufenthalt wieder hier einkehren werden. Highlight in diesem Restaurant war das mobile Nachtischbuffet. Im Sacramento erinnerte die Beleuchtung etwas an die 50er/60er Jahre. Auf die Frage an die Kellnerin, was sie denn besonders empfehlen würde - in diesem Falle war es u.a.. ein hervorragendes Thunfischsteak - konnte man sich, wie das nachfolgende Geschmackserlebnis bewies, voll verlassen. Die Geduld des Personals auch während Phasen von Spitzenbetriebsamkeit verdient es, besonders hervorgehoben zu werden, und das nicht nur im Sacramento. Besondere Beachtung verdient das Café no Chiado. Es war auch eine Empfehlung einer Rezeptionistin in der Pousada. Es liegt etwas versteckt, wirkt unscheinbar, fängt einen aber schon beim Betreten des Restaurants mit seiner Atmosphäre ein, nicht nur durch Bücherregale, die mit Leihgaben einer darüber liegenden Bücherei ausgestattet sind (die Bücher darf man auch anfassen und darin lesen, solange man möchte), sondern auch durch die stille Freundlichkeit und Ruhe, die im Gegensatz zu den sehr lebhaften und vollen Lokalen stand, die wir an den Vorabenden besucht hatten. Wiederum ein ganz anderes Prädikat hat das Restaurant der Pousada da Lisboa verdient: In diesem Restaurant kocht ein Künstler. Seine Arrangements sind nicht nur eine Augenweide auf dem Teller sondern gehören in die Kategorie Haute Cuisine. Dafür legt man dann auch gerne etwas mehr hin.

Falls jetzt der Eindruck entstanden sein sollte, dass wir uns vorwiegend mit essen beschäftigt hatten, dann ist ein völlig falsches Bild entstanden. Diese abendlichen Stärkungen waren unbedingt notwendig nach unseren kilometerlangen Touren durch Lissabon und Außenbereiche. Damit unser Lissabon-Novize auf jeden Fall das Highlight Sintra mitbekommt, haben wir dafür einen ganzen Tag reserviert. Das Anstehen am Bahnhof um die Zugtickets war ein kleines Geduldsspiel. Aber offensichtlich ergab sich jeder in sein Schicksal, niemand fing an zu drängeln o. ä. In Sintra nahm, wie schon beim ersten Mal im Herbst, die Besichtigung des Palácio Nacional de Sintra. Für einen von uns war es neu, die beiden anderen bekamen diesmal einen ganz anderen Blick auf die Besonderheiten des Palastes als beim ersten Mal. Da wir uns nach einer Stärkung mit Tinto noch sehr unternehmungslustig fühlten und der Tag noch relativ jung war, beschlossen wir, den ganzen Weg zum Castelo dos Mouros zu Fuß hochzugehen. Die Maurenburg ist Weltkulturerbe und das nicht zu Unrecht. Wenn man durch die ganze weitläufige Anlage in Ruhe wandert, bekommt einen Eindruck von der architektonischen und Bauleistung in diesem schwierigen Gelände. Was mich hier besonders eingefangen hat, war die ehrliche innere Verbundenheit, die die dort tätigen Aufsichtspersonen mit diesem Monument fühlten. Diese Besichtigung war für uns alle drei eines der am meisten beeindruckenden Erlebnisse während der gesamten Woche. Sie ist allerdings nicht zu empfehlen, für Leute, die nicht gut zu Fuß sind, denn man muss nicht nur auf jeden Fall ein Stück gehen, bevor man zur eigentlichen Burgruine kommt; das Gelände innerhalb ist sehr weitläufig, teilweise mit engen Treppen und auf jeden Fall sehr windexponiert.

Weitere Ziele waren diesmal auch das Pantheon, der Palácio Nacional do Ajuda, der botanische Garten in der Nähe des Palasts, das Museu Nacional de Arqueologia, das Museu Nacional de Etnologia, das Museu de Lisboa - Teatro Romano, das Museu da Farmácia, das Museu Arqueológico do Carmo, die Burg von Lissabon (Castelo São Jorge), das Labirinto Lisboa und Gänge durch verwinkelte Gassen der Alfama und breitere Straßen im Bairro Alto. Unsere genussreichen abendlichen Restaurantbesuche bzw. unsere Tinto- und Portverkostungen hatten wir uns also mehr als reichlich verdient. Natürlich war eine Fahrt mit einem Tuk Tuk auch "Pflicht"; man muss es einfach einmal probiert haben. Der Weg zum Palácio do Ajuda bot sich hierfür an. Dieser Palast wirkt nicht nur majestätisch und konfrontiert einen mit einer schier überbordenden Menge an interessanten Exponaten, Tradition und Geschichte, sondern er wirkte auf uns ausgesprochen "wohnlich", was man ja wirklich nicht von vielen Palästen behaupten kann. Im botanischen Garten durften wir Bekanntschaft mit einem sehr zutraulichen weißen Pfau machen. Das Museu Nacional de Arqueologia bot alles andere als "trockenen" Stoff, überhaupt anscheinend eine hervorstechende Eigenschaft portugiesischer Museen, dass sie in keiner Weise ermüdend wirken. Überraschungen erlebten wir unter anderem auch im Pharmaziemuseum. Beim Betreten und beim Durchgang durch den ersten Raum wollte ich schon fast wieder umkehren, da zunächst nur Plakate zu sehen waren. Dann aber eröffnete sich eine sehr lebendige Darstellung von portugiesischen Apotheken vergangener Jahrhunderte sowie hervorragend erklärte Exponate der internationalen Pharmaziegeschichte, von der Wirkung von Bezoaren über Goasteine, Keuschheitsgürtel, die ersten Vibratoren, zerriebene Narwalzähne, die Reiseapotheken z. B. von Henry Morton Stanley usw. Im Teatro Romano konnte man von transparenten Plattformen aus die Grabungen in die Tiefe Lissabons verfolgen. Hierfür wurde sogar eine Straße unterbrochen. Ein absolute Besonderheit ist für mich das Museu Arqueológico do Carmo. Diese Kathedrale hat ja kein über das gesamte Gebäude reichendes Dach mehr bekommen. Dennoch finden sich in ihrem Inneren mit großer Sorgfalt und Liebe restaurierte Freiluftexponate (Gedenksteine, Grabsteine, Kapitelle etc.). Die Ausstellung im überdachten Teil ist sehenswert, nicht nur, wenn man sich für Mumien interessiert. Auf eine Kuriosität sind wir im Innenhof der Burg von Lissabon gestoßen: Ein vielsprachiger Rumäne verkauft dort bearbeitete Münzen aus aller Welt und man konnte ihm bei der Arbeit zusehen. Mit einer sehr feinen Säge arbeitete er die Abbildungen auf den Münzen heraus, z. B. ein Wikingerschiff auf einer norwegischen Münze, ein Schwein auf einer Münze aus den Bermudas, ein Schiff auf einer Münze aus Neuseeland etc.. Ganz klar, dass wir hier nicht mit verschlossenem Geldbeutel vorbeigehen konnten. Eigenartig war das Labirinto Lisboa. In Führern wird es als "permanent haunted attraction" beschrieben, wir wollten es also unbedingt sehen, noch dazu weil man freitags und samstags dort bis 24 Uhr hingehen kann. Es war allerdings nicht ganz einfach, die Örtlichkeit zu finden. Das Warten, bis man nach dem Entrichten des Eintritts in den "Parcours" gelassen wurde, entwickelte sich zum Geduldsspiel. Man kündigte uns an, dass der Durchgang durch das Labyrinth nichts für schwache Nerven sei; wenn man vorzeitig abbreche, müsse man sich auf einer Wall of Shame eintragen. Diese Wand wurde uns auch gezeigt. Im Inneren offenbarte sich dann jedoch nichts anderes als - aus unserer Sicht – eine sehr lebendig und aufwändig gestaltete Art von zu Fuß begehbarer Geisterbahn. Wer's mag…… Das verdarb uns aber nicht die Abendlaune, denn der Weg zurück zur Pousada führte durch für uns neue, überraschende Gassen von Lissabon.

Am Tag des Abflugs wollte sich eigentlich keiner so recht mit der Heimreise befassen. Wir vertrauten also der Pousada unsere Koffer an und flohen noch einmal in die Fußgängerzone auf einen Port und ein Pastel de Bacalhão sowie einen Besuch in einem Laden mit einer herrlichen Auswahl an Trockenfrüchten zum Abschied. Wie gewohnt, funktionierte auch der von Reisekultouren organisierte Rücktransport zum Flughafen Lissabon absolut zuverlässig. Wir verbeugen uns vor den Portugiesen und ihrem wunderschönen Land mit dem schon festen Plan, sehr bald wiederzukommen. Ich glaube, hier ist eine Liebe fürs Leben entstanden und Reisekultouren, Sílvia und Maria waren nicht ganz unschuldig daran.

IP